Das Ende der Netzneutralität? Telekom will unbegrenzte Internetflatrate stoppen

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In der Internet-Gemeinschaft schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Anstatt wie bisher auf unbegrenzten Datenzugang zu setzen, will die Telekom ab Mai 2013 das Volumen datenintensiver Übertragungen im Internet begrenzen und nur gegen eine Extra-Gebühr zugänglich machen. Im Klartext bedeutet das, dass die Bandbreite des Internets auf 384 Kilobit pro Sekunde reduziert werden soll. Zum Vergleich: Der Download eines normalen DVD-Films würde unter diesen Umständen knappe 24 Stunden dauern; ein Film in Blue-Ray-Qualität rund 13 Tage.

Das Ende von Youtube, Spotify & Co?

Das hört sich erst einmal nicht so schlimm an – schließlich lädt nicht jeder tagtäglich Filme herunter. Warum sollte mich diese neue Regelung also etwas angehen? Die Antwort ist:  Weil man mit zugebundenen Beinen keinen Marathon mehr laufen kann.

Dach-Zentrale-FlaggeDer Besuch von Streaming-Plattformen wie Spotify, sprachbasierte Programme wie Siri oder Google-Pendant, das Ansehen von Videos auf Youtube oder die ganz normale Datenübertragung von Provider zu Provider basiert auf dem System der Datenübertragung. Datenübertragung ist die Grundlage des Internets, eine breite Bandbreite sorgt für den reibungslosen Aufruf von Websiten. Das soll sich jedoch zukünftig ändern. Durch ihr geteiltes Angebot – langsames Internet für den Standard-Nutzer und schnelles Internet für zahlungskräftige Kunden bestimmt ab Mai die Telekom, welche Inhalte auf dem heimischen PC laufen können und welche nicht. Inzwischen wird in der Internet-Gemeinschaft sogar darüber spekuliert, ob sich bei einer derartigen Begrenzung (und der Übernahme des Konzeptes bei anderen Anbietern) Plattformen wie Youtube, Spotify & Co auf Dauer halten können. Dass die geplanten Änderungen vielen Usern nicht schmecken, ist also nur zu verständlich.

Es regt sich Widerstand

Inzwischen hat sich eine große Anzahl von Usern gegen die Pläne der Telekom ausgesprochen. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Initiativen, die gegen die Pläne der Telekom (z. B. mithilfe von Petitionen) vorgehen wollen. Kernargument von Bürgerbewegungen ist oftmals das Recht auf freien Informationszugang, der ihrer Meinung nach durch das Beschneiden der Bandbreite nicht mehr gewährleistet ist. Bemängelt wird außerdem das geringe Interesse seitens der Politik, die Netzneutralität unabhängig von Konzernen jedem Nutzer gewährleisten zu können. Diese Einstellung ist jedoch verständlich wenn man bedenkt, dass die Bundesrepublik derzeit mit 15% einer der größten Anteilseigner der Telekom ist. Auch hier ist eine neutrale Haltung wohl nicht zu erwarten.
Auch im Internet, insbes. bei Social Media Kanäle wie facebook und Twitter, hat sich ein Shitstorm gegen “Drosselcom” entwickelt, der das Unternehmen zum Umdenken bewegen will. Kürzlich wurde eine Blogparade ins Leben gerufen, anlässlich dieser auch ich meine persönliche Meinung zur geplanten Datenbegrenzung äußern möchte. Auch ich bin (ein bislang zufriedener) Kunde der Telekom und könnte in Zukunft von der Datenbegrenzung betroffen sein. Ich nutze das Internet zum Großteil als Ersatz für den Fernseher und lade Filme, Serien und sonstige Videos von verschiedenen Plattformen. Zwar kenne ich nicht die dafür tatsächlich verbrauchte Datenmenge, doch ich habe das Gefühl, dass auch ich von der Datenbegrenzung betroffen sein könnte. Wie es sich anfühlt mit einer begrenzten Datenmenge auskommen zu müssen, konnte ich erleben, als ich einige Monate einen “Internetstick” als Internetzugang nutzte und sich die Übertragungsgeschwindigkeit nach 250 MB am Tag so stark verlangsamte, dass aufgrund der ewig langen Ladezeiten nicht einmal mehr einfache Dienste wie Facebook nutzbar waren. Meiner Ansicht nach ist eine Datenbegrenzung in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptabel. Jeder Mensch sollte zu jeder Zeit vollen Zugang zum Internet haben. Zwar kann die Datenbegrenzung durch Zahlung einer zusätzlichen Gebühr umgangen werden, doch ist nicht gesichert, dass auch “ärmere” Haushalte diese Gebühr aufbringen können. An den Plänen der Telekom stört mich vor allem, dass darin die Tendenz erkennbar ist, besonders sozial schwache Schichten von der Nutzung des Internets auszuschließen. Wohlstand entwickelt sich jedoch gerade in Regionen, in denen es zahlreiche und schnelle Internetzugänge gibt. Die Pläne der Telekom sind daher weder fair noch richtig.

Dominik

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Ich studiere Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt BWL an der Uni Oldenburg. Neben dem Studium beschäftige ich mich intensiv mit den neusten Produkten im Bereich Multimedia und Internet.

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