Microsoft kauft Handysparte von Nokia

Nokia Lumia 925

Dass sich die Computerindustrie im Umbruch befindet, sollte inzwischen vollkommen klar sein. Wie existentiell dieser als Post-PC-Ära bezeichnete Umbruch allerdings ist, zeigt die Nachricht, die seit heute Morgen die Runde macht: Microsoft wird die Handy-Sparte des ins Taumeln geratenen Telekommunikationskonzerns Nokia übernehmen. Das gibt der IT-Gigant aus dem kalifornischen Redmond heute in seinem Presseportal bekannt.

Milliarden für Kerngeschäft und Patentlizenzen

3,79 Milliarden Euro zahlt Microsoft für Nokias Endgeräte und die damit verbundenen Dienste. Weitere 1,65 Milliarden erhält der finnische Konzern für mit dem Kauf in Zusammenhang stehende Patente. Insgesamt werden also 5,44 Milliarden Euro fließen. Das Netzwerkgeschäft und die Kartendienste bleiben bei Nokia, wobei Microsoft letztere ebenfalls nutzen wird. Die Übernahme, welche auch den Wechsel von 32.000 Nokia-Mitarbeitern zu Microsoft beinhaltet, soll bis März 2014 abgewickelt werden.

Übernahme nicht wirklich überraschend

Trotz des Verlustes des Kerngeschäfts wird die Nokia-Aktie an der Börse gefeiert – der Kurs stieg um über 40 Prozent. Vollkommen überraschend kommt die Nachricht der Übernahme allerdings nicht. Bereits im Frühjahr 2011 haben die beiden Unternehmen eine Kooperation bekannt gegeben. Die Smartphones des finnischen Herstellers werden seitdem ausschließlich mit dem mobilen Betriebssystem Windows Phone ausgeliefert. Nachdem das einst auf dem Handymarkt sehr bedeutende Nokia den Einstieg in den Smartphone-Markt verpasst hatte und große Marktanteile an Apple und Samsung verlor, hat der Hersteller nun mit seiner Lumia Reihe wieder etwas Boden unter den Füßen zurückgewonnen. Dennoch ist der Anteil von Nokia-Geräten auf dem Smartphone-Markt bis heute verschwindend gering.

Lumia 625: Aktuelles Nokia-Smartphone mit Windows Phone 8

Lumia 625: Aktuelles Nokia-Smartphone mit Windows Phone 8

Microsoft folgt aktuellem Trend

Mit der zunehmend Beliebtheit und Verbreitung von Smartphones und Tablets kristallisiert sich zunehmend ein Trend in der IT-Branche: Software und Hardware aus einem Haus. Apple fährt diese Strategie schon seit langer Zeit – die Betriebssysteme Mac OS X und iOS laufen ausschließlich auf Apple-Hardware und sind genau für diese entwickelt. Steve Jobs war von diesem Konzept überzeugt und zitierte den Internet-Pionier Alan Kay:

People who are really serious about software should make their own hardware.

Seit kurzer Zeit geht Google ebenfalls diesen Weg. Mit der Übernahme von Motorola bietet das Unternehmen seit kurzem das Moto X mit nativem Android an. Ob sich diese Strategie, für die sich nun auch Microsoft entschieden hat, durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Vorteilen wie der Möglichkeit, Soft- und Hardware perfekt aufeinander abzustimmen und so eine hohe Stabilität und besondere Features zu ermöglichen, steht ein durch die begrenzte Geräteanzahl kleiner Mark gegenüber. Im Gegensatz zu Apple stellen Google und Microsoft ihre Betriebssysteme aber nicht ausschließlich für die eigene Hardware her.

Neue Strategie in Redmond

Microsoft führt mit dem Kauf von Nokia einen Strategiewechsel durch und legt einen stärkeren Fokus auf den immer wichtiger werdenden Smartphone-Markt. Das Unternehmen steht finanziell zwar gut da, hat aber damit zu kämpfen, dass immer weniger Computer und somit auch weniger Software-Lizenzen aus dem eigenen Haus verkauft werden. Der Einstieg in den Tablet-Markt mit der Microsoft-Marke Surface ist aktuell gescheitert. Inwiefern die Nokia-Übernahme auch hier Veränderungen mit sich bringt, bleibt abzuwarten.

Außerdem gibt es Gerüchten zufolge noch einen weiteren potentiellen Veränderung in Redmond, die aus der Übernahme hervorgeht. Nachdem CEO Steve Balmer kürzlich seinen baldigen Rücktritt bekannt gegeben hat, wird Ex-Microsoftler und aktueller Nokia Chef Stephen Elop als heißer Kandidat für die Nachfolge gehandelt. Zunächst wird er aber als Leiter der Geräte-Sparte bei Microsoft arbeiten.

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