Traumschloss oder Seifenblase? Der neueste Technik-Trend: 3D-Druck

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Es ist die neueste Technik-Evolution, wenn nicht sogar Revolution: Das 3D-Druckverfahren. Firmen wie Shapeaways oder Fasotec, die sich auf den 3D-Druck spezialisiert haben, können sich über mangelnde Umsätze nicht beklagen. Dabei bietet das Verfahren auch für private Haushalte eine große Bandbreite an Möglichkeiten – wenn da nicht noch ein paar lästige Kinderkrankheiten wären.

3D-Technik – So funktioniert’s

Bevor das gewünschte Objekt entstehen kann, muss eine genaue Vorlage am PC erstellt werden. Dieser Teil der Herstellung ist knifflig, denn je detaillierter und komplizierter das Objekt, desto detaillierter und genauer muss auch die Vorlage sein. Sie bildet den Grundstock für das spätere Ergebnis – geht hier etwas schief, kann sich auch das Ergebnis nicht sehen lassen. Ist die Vorlage fertig, setzt der 3D-Drucker das noch virtuelle Objekt in einen realen Gegenstand um. Dazu wird Schicht für Schicht flüssiges Plastik oder Gips additiv aufgetragen, alternativ auch Kunstharz mit UV-Licht bestrahlt oder Metallpulver mit einem Laser zum schmelzen gebracht. Das Objekt muss oftmals nicht einmal mehr auskühlen und kann sofort verwendet werden.

3D-Druck: Ungeahnte Möglichkeiten

Das 3D-Druckverfahren bietet eine große Anzahl neuer Anwendungsmöglichkeiten, sowohl im industriellen Bereich, als auch für private Haushalte.

Kreative kommen mit der neuen 3D-Drucktechnik voll auf ihre Kosten. Rein theoretisch kann eine spontane Idee kurzfristig am PC umgesetzt und anschließend in Kunstharz oder Gips realisiert werden. Doch nicht nur Originelles und Außergewöhnliches kommt so zustande, sondern auch Praktisches. Klein- oder Ersatzteile, die der Kunde bisher beim Hersteller nachbestellen musste, könnten mit dem 3D-Drucker unkompliziert und direkt von Zuhause aus hergestellt werden. Das wird auch die Industrie zu spüren bekommen, so Neil Gershenfeld vom Center for Bits and Atoms am Massachusetts Institute of Technology (MIT), der davon ausgeht, dass sich mit dieser Technik die Machtverhältnisse auf dem industriellen Markt zugunsten der Kleinstverbraucher erheblich verändern werden. Plötzlich könnten Millionen von 1-Mann Fabriken bevölkern, die über den Eigenbedarf hinaus auch Produkte für den freien Markt herstellen könnten. Dank überschaubarer Anschaffungskosten für die 3D-Drucker von um die 1000 Euro pro Stück ist dies durchaus möglich.

Daneben hat die 3D-Drucktechnik jedoch auch in weiteren Bereichen großes Potenzial. Im Gesundheitswesen wird beispielsweise schon darüber diskutiert, ob zukünftig Organe wie Leber, Haut und Nieren per Druckverfahren hergestellt werden könnten. Erste Ansätze dafür gibt es bereits. Weiterhin könnte lebensfähiges Zellmaterial gedruckt werden – ein Verfahren, welches sich Bioprinting nennt und in der Stammzellenforschung wahre Begeisterungsstürme auslöst. Auch anderes biologisches Material wie z. B. Knochen, Knorpel oder künstliche Gliedmaßen könnte zukünftig technisch hergestellt werden. Zahnärzte könnten die Füllungen ihrer Patienten direkt in der Praxis ausdrucken. Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu endlos.

3D-Druck nicht für Jedermann geeignet

Allzu enthusiastisch sollten Anwender jedoch (noch) nicht sein, denn das Verfahren hat nach wie vor Nachteile, die erst einmal ausgemerzt werden müssen, damit es für die breite Masse attraktiv wird. So sind die Rohstoffe für die Herstellung von Objekten, wie z. B. der Spezialgips, noch sehr teuer und für den normalen Verbraucher auf Dauer kaum erschwinglich. Diesem Problem könnte mit steigender Nachfrage und mehr Produzenten, die letztendlich im Preiskampf die Anschaffungskosten drücken würden, entgegen gewirkt werden.

Weiterhin ist die Bedienung der 3D-Drucker bisher noch nicht für jeden ersichtlich. Insbesondere die Herstellung der Vorlage am PC benötigt entsprechende Erfahrung oder vorherige Schulung und kann somit nicht von jedermann durchgeführt werden. Mit steigendem Interesse ist es jedoch wahrscheinlich, dass auch für dieses Manko eine nutzerfreundliche Lösung gefunden wird.

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Herstellung von Gegenständen im Vergleich zur Massenproduktion noch zu lange dauert. Vermutlich wird das 3D-Druckverfahren nie auf die gleiche Stückzahl in derselben Zeit kommen, wie ein industriell hergestelltes Massenprodukt. Das 3D-Verfahren eignet sich demnach nicht für sämtliche Marktbereiche, sondern wird sich seine Nische in der Einzelfertigung suchen. Spezialobjekte, Kreativlösungen, Sonderanfertigungen usw. wären dann der Bereich, in dem das 3D-Drucken durchaus konkurrenzfähig wäre. Ob sich das Verfahren jedoch auch unter Verbrauchern abseits der Industrie durchsetzt, wird sich zeigen.

Dominik

Veröffentlicht von

Ich studiere Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt BWL an der Uni Oldenburg. Neben dem Studium beschäftige ich mich intensiv mit den neusten Produkten im Bereich Multimedia und Internet.

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